Dienstag, Dezember 13, 2011

Neue Studie zu Extrem-Ausdauersportarten
Gesundheitliche Risiken bis zu irreparablen Herzschäden

Wenn gesunde Bewegung wie hier beim harmlosen Joggen zum Extrem-Ausdauersport wie beim Marathon wird, kann es gefährlich werden
Immer wieder tauchen sowohl in Massenmedien als auch auf Internetplattformen für Parkinsonkranke mehr oder weniger sensationell aufgemachte Berichte über Extremleistungen Parkinsonkranker beim Ultrawalken, Marathon- oder Halbmarathon auf. Eine australische Studie warnt jetzt ausdrücklich vor gefährlichen Folgen solcher Sportarten.

Eine extreme Ausdauerbelastung des Körpers, wie sie bei Sportarten wie Marathon und Triathlon auftritt, kann eine vorüber gehende Pumpschwäche des rechten Herzventrikels aus lösen. Wie das deutsche Ärzteblatt berichtete, ist die klinische Bedeutung dieses Befundes nicht eindeutig geklärt.

Der Autor der Studie Andrė La Gerche von der Universität Melbourne vergleicht die Veränderungen im rechten Herzventrikel mit dem "Tennisarm", aus dem auch nicht geschlossen werden könnte, dass Tennisspielen ungesund sei. Andere Wissenschaftler wie Sanjay Sharma von der St. George's University London, der den London Marathon betreut, halten die Studienergebnisse für plausibel. Der Körper sei nun einmal nicht für Ausdauerleistungen von bis zu 11 Stunden am Tag ausgelegt, und bei einigen Menschen könne dies nach Einschätzungen des Mediziners zu dauerhaften Schäden führen.

Sharma plädiert für weitere Untersuchungen – auch vor dem Hintergrund der steigenden Popularität von Extremsportarten wie Marathon. Es wäre nicht das erste Mal, so Sharma im Bericht der Onlineausgabe des Deutschen Ärzteblattes, dass eine offensichtliche Gesundheitsgefahr erst spät erkannt wurde.

Veröffentlicht wurde die Studie La Gerches im  Europäischen Herz Journal (European Heart Journal). Danach erholt sich die Herzfunktion bei vielen Patienten innerhalb einer Woche. Bei einigen Extremsportlern wurden allerdings Hinweise auf eine dauerhafte Herzmuskelschädigung gefunden.

Die Befunde der Studie, an der 40 erfolgreiche Leistungssportler teilnahmen, bestätigen die Ergebnisse tierexperimenteller Studien, in denen sich der rechte Ventrikel als die „Achilles-Ferse“ der Herzfunktion bei Ausdauerbelastungen erwiesen hatte.

Dort wurde ebenfalls eine Fibrosierung des Herzmuskels beobachtet. Sie kann schnell zur Gefahr werden, wenn sie das Reizleitungssystem betrifft und Herzrhythmusstörungen auslöst.

jos / Quelle: Deutsches Ärzteblatt

chronischLEBEN-Kommentar
Glückshormone und Herz(e)leid

Die Australische Studie über mögliche Gefahren für Ausdauer-Leistungssportler ist nicht unbedingt sensationell. Neu daran ist lediglich, dass es der Gruppe um La Gerche gelungen ist zu beschreiben, was genau die leichtfertige Überforderung des Herzens anrichten kann.


Unvoreingenommen ernst nehmen - im ureigensten Interesse - sollten die Studie auf jeden Fall alle, denen Bewegung bis an die Grenzen, die der Körper setzt, nicht genügt.


Problematisch werden die Extrem-Ausdauer-Sportarten nicht zuletzt durch die "Glückshormone", die dabei reichlich ausgeschüttet werden. Die Gefahr: Natürliche Warnsignale des Körpers werden "überhört" - und irreparable Schäden - vom "Sportlerherz" bis zum Pumpschaden des rechten Herzventrikels und folgenden Herzrhythmusstörungen mit einiger Wahrscheinlichkeit erst erkannt, wenn es zu spät ist.


Der verharmlosende Vergleich, den der Autor der Studie zum Tennisarm zieht, ist gewagt. Der schmerzende Arm, der das zu heftige Wedeln mit dem Racket bestraft, tut dolle weh, läßt sich aber relativ einfach heilen.


Wer aber meint, immer wieder mit ohnehin geschwächter Konstitution - zum Beispiel durch eine chronische Krankheit - über Alpenpässe strampeln oder sich über die 60 Kilometer-Ultra-Walker-Strecke oder auch "nur über die Halbmarathon-Distanz quälen zu müssen - der soll das ruhig weiter treiben, aber vielleicht wieder lernen, rechtzeitig relativ unsportlich, aber vernünftig das sprichwörtliche Handtuch zu werfen und gesundheitsbewusst weit vor dem selbst gesteckten Ziel aufzugeben - auch wenn die einschlägigen Hormine ihn oder sie dann noch nicht beglückt haben.


Norbert Jos Maas


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