Dienstag, Januar 10, 2012

Die ganze Wahrheit über Normalität
Ganz normal - aber nur beim Wohlfühlen mit zuckersüßem Teuer-Joghurt

Internetseite der Firma Danone mit "Normala" Vera Int-Veen
Nicht verzagen - Tante Vera fragen: Wer immer noch darüber grübelt, was denn bitte schön "normal" sei - sei es hier in cL, sei es in einem benachbarten Forum, der sollte mal wieder die Produktinformationen auf deutschen Fernseh-Kanälen besuchen (besser bekannt als "Werbung") Da verkündet seit einiger Zeit die Moderatorin Vera Int-Veen:  "Normal ist - sich wohl zu fühlen."


Dann ist ja endlich alles klar. Wenn das fröhliche Moppelchen von RTL in einer Werbung für einen probiotischen Joghurt verkündet, dass das sauteure und überzuckerte Schlabberzeug im Plastikbecher nicht nur angeblich ihrer müden Verdauung Beine macht, sondern ihrdarüber hinaus die weise Erkenntnis verschafft habe in Sachen "Normalität" dann ...
 
...ja dann haben wir Normalos, die wir uns weiß Gott oft alles andere als wohl fühlen, richtig schlechte Karten. 

Liebe Vera Int-Veen, 
 
Du irrst wieder mal gewaltig in allerlei Hinsicht - und wenn du noch so treuherzig in die Werbe-Kamera grinst.

Wenn sich wohl zu fühlen "normal" wäre, dann gäbe es kaum "normale" Menschen auf der Welt. Da muss ich nicht mal die eher lächerliche Zahl der schätzungsweise 400.000 Parkinsonkranken bemühen, die zwar nicht im Elend versinken aber sich - wie fast jeder andere - mal wohl fühlen und mal nicht. 

Aber immerhin: Wir sind normal - auch wenn wir uns gerade hundsmiserabel fühlen.

Auch die anderen behinderten Menschen in Deutschland und dem Rest der Welt, sind sowas von normal, ohne ständig teuren ungesunden Joghurt in sich hinein zu schaufeln - und ohne sich ständig wohl zu fühlen. 
 
   Tante Vera weiß Bescheid: Millionen sind nicht normal   

Zum puren Zynismus wird allerdings der dämliche Werbespruch der Dame Int-Veen ( die sich angesichts des Danone-Honorars gewiss wohl fühlt), spätestens dann, wenn ich an die zig Millionen Menschen auf dieser unserer Erde denke, die verhungern, auf der Straße dahin vegetieren, in Machtkämpfen ums liebe Gekd oder blödsinnige Ideologien abgemetzelt werden - und sich dabei nicht mal hin und wieder einen probiotischen Snack gönnen können, damit sie sich in ihrem perspektivlosen Elend auch mal wohl und - laut Tante Vera "normal" fühlen. 
 
Liebe Vera int-Veen,

all diese Menschen sind auch stinknormal.

Zum Hintergrund:

Danone zog 2010 bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften von Activia bestätigt werden sollten. Zumindest  in Frankreich und Großbritannien verzichtete der Konzerndaraufhin auf das Anpreisen der angeblich verdauungsfördernden Wirkung in Werbespots.
 
Die armen Franzosen und Briten: Sie müssen auf die suggestive und verdauungsfördernde Kraft der Werbung für den "Super-Joghurt" verzichten, fühlen sich daraufhin möglicherweise nicht so wohl wie Frau Int-Veen und sind wahrscheinlich - nicht normal? Zwei ganze Nationen zur Nicht-Normalität verdammt. Das ist tragisch.

   Goldener Windbeutel für die dreisteste Werbelüge   

Verbraucherschützer hatten die Werbestrategie für Danone-Produkte wie Activia und Actimel wiederholt beanstandet: "Actimel schützt nicht vor Erkältungen - es stärkt das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, ist aber viermal so teuer und doppelt so zuckrig", kritisierte beispielsweise Foodwatch. 
 
Die Organisation hatte dem Hersteller 2009 wegen seiner klecken Werbeaussagen den “Goldenen Windbeutel“ für die “dreisteste Werbelüge“ verliehen. 
 
Als dreist gilt auch die Danone-Botschfterin Int-Veen: Seit Juni 2011 moderiert sie zum Beispiel auf RTL die Doku-Soap "Mietprellern auf der Spur", welche zunehmend in Kritik gerät, da die Authentizität der Sendung in Frage gestellt wird.
Nachdem Original-Bildmaterial der Produktionsfirma an die Öffentlichkeit gelangte, wurde deutlich, dass durch eine nachträgliche Bearbeitung des Materials und dem gezielten Weglassen von Szenen ein verzerrter, deutlich negativerer Eindruck der Betroffenen für den Zuschauer erzeugt wird.
Die niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat daraufhin ein Verfahren gegen das TV-Format eingeleitet. Auch soll sie sich widerrechtlich Zutritt zu einer Wohnung verschafft haben. Das bestreitet der Sender .

Na ja, Hauptsache, Tante Vera hatte ein Danone-Schlabberchen beim Dreh dabei und fühlte sich wohl und normal.
jos

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