Mittwoch, Januar 18, 2012

Stell dir vor, es ist Parkinson - und alle kommen
Krasse Fehlplanung: Braunschweiger Klinikum
schickt mehr als 100 fragende Behinderte nach Hause

"Stell dir vor, es ist Parkinson - und alle kommen". Das mögen sich die Veranstalter einer mit einer eher kleinen Meldung in der Tagespresse angekündigten Informationsveranstaltung über das Thema "Parkinson"  gedacht haben: Der Vortragssaal im Braunschweiger "Haus der Wissenschaft" hatte Platz für 120 Interessierte. Fast eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn stauten sich mehr als weitere 100 Parkinsonkranke und Angehörige vor der Tür. Sie wurden nicht mehr eingelassen. Die zu einem großen Teil schwer Gehbehinderten wurden nach Hause geschickt.

Eingeladen hatte das Städtische Klinikum Braunschweig. Ein Oberarzt der Neurologischen Klinik wollte, so die Ankündigung,  über die komplexen Behandlungsmöglichkeiten bei Morbus Parkinson informieren. Das Braunschweiger Klinikum hat sich, so die Pressemitteilung,  die Aufgabe gestellt, "für jeden Patienten eine maßgeschneiderte Therapie zu finden".

Gern hätte ich für den Blog chronischLEBEN den Oberarzt gefragt, wie eine nicht einmal auf Parkinson spezialisierte Neurologie-Klinik das leisten will. Ich hatte keine Chance, wie mindestens hundert weitere Behinderte, die sich auf den dunklen Weg in den winterlichen Abendstunden zum Haus der Wissenschaft gemacht hatten: Wir wurden schulterzuckend wieder nach Hause geschickt. Meine mehrfach höflich gestellte Frage, ob es zumutbar sei, wie hier mit Behinderten umgegangen werde, blieb unbeantwortet.

Das wird wohl nichts mit der "maßgeschneiderten Braunschweiger Therapie".

Norbert Jos Maas


1 Kommentare:

  1. Guten Tag liebe Redaktion,
    manchmal bin ich etwas zu direkt und aus diesem Grund mein Kommentar zuerst einmal über diesen Weg.

    Der Bericht ist sehr gut. Es wundert mich nicht dass der Vortragsraum zu klein war. Im Kopf der Menschen und Ärzte sind Parkinsonkranke 70 Jahre alt. Somit können gar nicht so viel kommen.
    Im Sommer war ich in Ulm auf einem Vortrag und habe so was ähnliches erlebt und war erschüttert, wie Menschen mit ihren Angeörigen kommen (anders geht es ja nicht). Man benötigt somit 3 Plätze für 2 Personen. Der Kranke, den Angehörigen und das Hilfsmittel zum Transport.

    Das Thema und die Erkrankung hat aber Zukunft, da immer mehr jüngere Menschen sich mit der Erkrankung auseinandersetzen müssen und es keine richtige Information für dies 30 bis 65 jährigen mobilen denkenden Kranken gibt. Diese Personen mit ihren Angehörigen kommen.

    Die neuer Studie der Sportklinik Köln das Sport die Krankheit positiv beeinflusst, also die Erkrankung in ihrer Entwicklung hinausgezogen werden kann. gibt viele Fragen auf und Hoffnung und lässt die Vorträge füllen.

    Ella Henschel

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